Die Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe wird immer häufiger als „das perfekte Duo" bezeichnet. Das stimmt im Grundsatz – aber wie bei vielen Dingen kommt es auf die Details an. Wer einfach beides installiert und hofft, dass sich alles von selbst ergibt, wird unter Umständen enttäuscht sein.
In diesem Artikel erkläre ich, wie die Kombination technisch funktioniert, wann sie sich wirklich rechnet, welche Rolle ein Batteriespeicher spielt und worauf Sie bei der Planung achten sollten.
Warum die Kombination grundsätzlich sinnvoll ist
Eine Wärmepumpe verbraucht Strom – und zwar nicht wenig. Je nach Gebäudegröße, Dämmstandard und Heizlast sind 3.000 bis 8.000 kWh pro Jahr realistisch. Das entspricht ungefähr dem Doppelten eines durchschnittlichen Haushaltsstromverbrauchs.
Eine Photovoltaikanlage erzeugt Strom – aber leider dann am meisten, wenn man ihn für die Heizung am wenigsten braucht: im Sommer. Im Winter, wenn die Wärmepumpe auf Hochtouren läuft, ist die PV-Produktion deutlich geringer.
Trotzdem ergibt die Kombination Sinn – aus mehreren Gründen.
Schematische Darstellung. Die Kurven überschneiden sich in den Übergangsjahreszeiten – dort ist das Eigenverbrauchspotenzial am größten.
In den Übergangsmonaten – März bis Mai und September bis November – treffen PV-Produktion und Wärmepumpenbedarf aufeinander. Hier kann die Wärmepumpe direkt mit Solarstrom betrieben werden. Das ist der eigentliche Vorteil der Kombination.
Im Sommer produziert die Anlage deutlich mehr als gebraucht wird – dieser Überschuss kann in einem Batteriespeicher zwischengelagert oder ins Netz eingespeist werden. Im Winter überwiegt der Heizbedarf die PV-Produktion – hier kommt Strom aus dem Netz hinzu.
Wie viel Solarstrom nutzt die Wärmepumpe wirklich?
Das ist eine Frage, die ich in der Beratung häufig höre – und die Antwort überrascht viele. Ohne Steuerung und ohne Speicher liegt der Anteil von PV-Strom am Wärmepumpenstrom oft bei nur 15 bis 25 %. Mit gezielter Steuerung und einem Batteriespeicher kann dieser Wert auf 35 bis 50 % steigen.
Warum ist das so? Weil Wärmepumpen ihren größten Verbrauch in der Nacht und in den frühen Morgenstunden haben – genau dann, wenn keine Sonne scheint. Ohne Speicher geht der tagsüber produzierte Strom an den Haushalt und ins Netz, während die Wärmepumpe nachts Netzstrom zieht.
Moderne Wärmepumpen können über eine SG-Ready-Schnittstelle (Smart Grid Ready) angesteuert werden. Das bedeutet: Die Wärmepumpe läuft bevorzugt dann, wenn PV-Überschuss vorhanden ist – zum Beispiel indem sie tagsüber das Gebäude oder den Warmwasserspeicher etwas stärker aufheizt als nötig. Diese gespeicherte Wärme reicht dann in den Abend und die Nacht hinein.
Der Batteriespeicher: Wann macht er Sinn?
Ein Batteriespeicher speichert überschüssigen PV-Strom für die Stunden ohne Sonnenschein. Er erhöht die Eigenverbrauchsquote deutlich, aber er kostet auch Geld.
Die entscheidende Frage ist: Rechnet er sich? Das hängt von drei Faktoren ab.
1. Der aktuelle Strompreis
Je teurer der Netzstrom, desto mehr lohnt sich jede selbst verbrauchte Kilowattstunde. Bei einem Strompreis von 35 Cent pro kWh und einem Speicher mit dem 1.500 kWh pro Jahr zusätzlich eigenverbraucht werden können, spart das 525 Euro jährlich. Bei einer Investition von 4.000 bis 6.000 Euro für den Speicher ergibt das eine Amortisationszeit von ungefähr 8 bis 11 Jahren – abhängig von der Preisentwicklung.
2. Das Verhältnis von PV-Leistung zu Verbrauch
Ein Speicher lohnt sich vor allem dann, wenn die PV-Anlage deutlich mehr produziert als tagsüber verbraucht wird. Wer eine 10 kWp-Anlage hat und tagsüber nur 2 bis 3 kWh verbraucht, hat viel Überschuss der zwischengespeichert werden kann. Wer dagegen einen hohen Tagesverbrauch hat (Homeoffice, E-Auto, Vermieter), braucht oft keinen so großen Speicher.
3. Die Kombination mit der Wärmepumpe
Mit Wärmepumpe ist ein Speicher attraktiver als ohne. Die Wärmepumpe erhöht den Gesamtstromverbrauch deutlich und damit die Menge die sinnvoll aus dem Speicher bezogen werden kann. Besonders in den Übergangsmonaten, wenn PV-Produktion und Heizbedarf gleichzeitig vorhanden sind, kann ein Speicher die Eigenverbrauchsquote auf 60 bis 70 % anheben.
Schematische Beispielwerte für ein Einfamilienhaus mit 8 kWp PV, 5 kWh Speicher und Luft-Wasser-Wärmepumpe (ca. 4.500 kWh/Jahr). Individuelle Werte können abweichen.
Was kostet die Kombination und was spart sie ein?
Eine grobe Orientierung für ein typisches Einfamilienhaus mit Luft-Wasser-Wärmepumpe:
- PV-Anlage 8 kWp: ca. 12.000 bis 16.000 Euro (nach Mehrwertsteuerbefreiung)
- Batteriespeicher 8–10 kWh: ca. 4.000 bis 6.000 Euro
- Wärmepumpe inkl. Installation: ca. 18.000 bis 28.000 Euro (vor Förderung)
Dem gegenüber stehen die jährlichen Einsparungen durch niedrigere Strom- und Heizkosten. Bei einem Haushalt der bisher 2.000 Euro jährlich für Gas und 1.200 Euro für Strom bezahlt hat, können sich durch die Kombination Einsparungen von 1.500 bis 2.500 Euro pro Jahr ergeben. Je nach Auslegung, Eigenverbrauchsquote und Strompreisentwicklung.
Die Wärmepumpe wird über die KfW-Heizungsförderung mit bis zu 70 % der förderfähigen Kosten bezuschusst. Die PV-Anlage profitiert bis Ende 2025 von der Mehrwertsteuerbefreiung (0 % MwSt. auf Anlagen bis 30 kWp). Zusätzlich kann für den Speicher und die Wärmepumpe über den KfW-Ergänzungskredit 358 (für selbstnutzende Eigentümer von Einfamilienhäusern) oder 359 (für Eigentümer von Mehrfamilienhäusern) eine zinsgünstige Kreditergänzung beantragt werden – sofern eine BAFA- oder KfW-Zuschusszusage vorliegt. Beide Förderungen zusammen reduzieren die Investitionskosten erheblich.
Worauf Sie bei der Planung achten sollten
Aus meiner Beratungspraxis gibt es einige Punkte, die immer wieder unterschätzt werden.
Reihenfolge beachten
Die wichtigste Empfehlung: Zuerst die Gebäudehülle optimieren, dann die Wärmepumpe, dann die PV-Anlage. Wer eine Wärmepumpe in ein schlecht gedämmtes Gebäude einbaut, braucht eine größere Anlage – und damit auch eine größere PV-Anlage um den Mehrverbrauch zu decken. Durch Dämmung sinkt die Heizlast, die Wärmepumpe kann kleiner ausgelegt werden und die PV-Anlage deckt einen größeren Anteil des Verbrauchs.
PV-Anlage nicht zu klein auslegen
Wer eine Wärmepumpe hat, braucht mehr Strom. Viele legen die PV-Anlage nur auf den bisherigen Haushaltsstromverbrauch aus – und vergessen den Mehrverbrauch der Wärmepumpe. Faustregel: Planen Sie pro kWh Wärmepumpenstrom mindestens 0,3 bis 0,5 kWp PV-Leistung zusätzlich ein.
SG-Ready nutzen
Achten Sie beim Kauf der Wärmepumpe darauf, dass sie SG-Ready-fähig ist. Das kostet kaum Aufpreis, ermöglicht aber die Steuerung über PV-Überschuss. Ohne diese Schnittstelle laufen PV und Wärmepumpe unkoordiniert nebeneinander – und der Eigenverbrauchsvorteil verpufft größtenteils.
Warmwasser mitdenken
Viele Wärmepumpen können auch die Warmwasserbereitung übernehmen. Im Sommer lässt sich Warmwasser fast vollständig mit PV-Überschuss erhitzen – das ist einer der größten Hebel für hohe Eigenverbrauchsquoten im Sommer.
Fazit: Sinnvoll – aber nur mit der richtigen Planung
PV und Wärmepumpe sind eine sinnvolle Kombination. Sie reduzieren die Abhängigkeit von Netzstrom, senken die laufenden Kosten und machen ein Gebäude energetisch deutlich unabhängiger.
Aber: Die Kombination rechnet sich nur dann wirklich gut, wenn die Anlage richtig ausgelegt ist. Eine zu kleine PV-Anlage, eine falsch dimensionierte Wärmepumpe oder das Fehlen einer SG-Ready-Steuerung können die wirtschaftlichen Vorteile erheblich schmälern.
Ich empfehle, vor der Investitionsentscheidung eine professionelle Beratung zu holen, die ausschließlich im Interesse des Gebäudeeigentümers berät. Dann kann die Kombination aus PV, Speicher und Wärmepumpe wirklich das halten, was sie verspricht.